Gute Lehrer braucht das Land – Linux in Schulen


Schüler im BG Krems

Schüler im BG Krems

Habe im Juni 2010 in insgesamt 3 österreichischen Schulen einen Python/Pygame Workshop zum Thema “Spieleprogrammierung” abgehalten und dabei Erfahrungen mit unterschiedlichen Linux-Systemen im Unterricht machen können.

Schule Ort Workshop Betriebssystem
BG rechte Kremszeile Krems, Niederösterreich 2 x 3 Stunden Linux Advanced
BG/BRG Weiz
Weiz, Steiermark ca. 12 Stunden desktop4education
evang. Mittelschule Karlsplatz Wien 2 Stunden Ubuntu
(9.04 ?)

Rene Schwarzinger mit Linux-Advanced PC im Unterricht

Rene Schwarzinger mit Linux-Advanced PC im Unterricht


Die Workshops selbst sind nicht direkt vergleichbar, da sie unterschiedlich lange gedauert haben und die teilnehmenden Schüler und Lehrer unterschiedliche Vorkenntnisse hatten. Jedes Mal habe ich versucht einen Schnellkurs in Python/Pygame Programmierung zu bieten und habe dabei mein PythonGameBook verwendet, um herauszufinden ob es sich schon für den Praxiseinsatz in Schulen eignet.

Resultat: Mein PythonGameBook ist derzeit nur bedingt für den Einsatz im Unterricht geeignet, ich habe noch viel Arbeit vor mir.

Interessiert hat mich wie sich der “tägliche” Umgang mit einem Open-Source Betriebssystem auf die Kenntnisse der SchülerInnen auswirkt. Wächst hier eine Generation Linux-User heran die mit der Kommandozeile umgehen kann ?

Kommandozeile

In allen 3 Schulen waren vor meinem Unterrichtsbeginn Installationsarbeiten oder Updates einzuspielen, meist wurden die dazu benötigten Kommandos vom Lehrer am Beamer gezeigt und dann von den Schülern mehr oder weniger selbstständig abgetippt. Üblicherweise übernahmen einige Schüler die Rolle von “Helfern”.

Installations-Anweisung am Beamer (Krems)

Installations-Anweisung am Beamer (Krems)


Ich bezweifle dass alle Schüler die Kommandos (meist Installationsbefehle) selbstständig (ohne Vorlage am Beamer) gewusst hätten. Auswendig-wissen bestimmter Befehle ist nicht notwendigerweise eine Voraussetzung zum erfolgreichen Arbeiten mit einem Computer… Das deutschsprachige Ubuntuusers-Wiki ist z.B. voll von Schritt für Schritt Anleitungen mit teils sehr kryptischen Befehlszeilen, die man nicht unbedingt verstehen muss solange man sie korrekt abtippen kann. Und gute Dokumentation ist sicher einer der Gründe warum Ubuntu laut Distrowatch die beliebteste Linux-Distribution ist.

Speichern

Persönliche Dateien der Schüler wurden entweder auf einem Serverlaufwerk gespeichert oder auf USB-Stick. Dies war auch der auffälligste praktische Unterschied bei der Benutzung von Linux im Gegensatz zu einem unfreien Betriebssystem: Statt Laufwerksbuchstaben auswendig zu kennen mussten die Schüler eine Ahnung vom Linux-Betreibssystem haben um z.B. den Pfad “/media” zu finden.

Helmuth Peer unterrichtet vor selbst entworfenen Computertischen

Helumt Peer beim Unterrichten vor selbst zersägten Computertischen

Unterschiede

Zwischen den Linux-Distributionen konnte ich keine großen Unterschiede beim praktischen Arbeiten feststellen – Die Installationsbefehle (apt-get etc.) mögen sich unterschieden, aber Linux bleibt Linux, und wichtiger als das Betriebssystem ist die verwendete Software. Bei fast jedem Workshop gab es zumindest einen PC, der nicht so tat wie er sollte (Hardware ? Software ? Bedienungsfehler ?) was dann meist den anwesenden Lehrer in Beschlag nahm.

Alle PC’s hatten Internetverbindung, was für meinen Workshop wichtig war (es gibt zur Zeit keine offline-Version vom PythonGameBuch).

Matthias Praunegger und das PythonGameBook

Matthias Praunegger und das PythonGameBook

Zu den technischen Unterschieden zwischen Linux-Advanced und desktop4education können die jeweiligen Hersteller besser Auskunft geben als ich. Das von Helmuth Peer und seinem ehemaligen Schüler Matthias Praunegger entwickelte “desktop4education / server4education” (Weiz) ist im wesentlichen ein adaptiertes Suse-Linux mit eigenen Skripts, um die Installation auf einem klassischen Schulrechnersystem (Server und Clients) so einfach wie möglich zu halten. Der Client startet auch von USB-Stick.

Das “Linux Advanced” – System (Krems) , entwickelt von Klaus Misof und Rene Schwarzinger und orientiert sich am Schweizer Lernstick und besteht aus einem angepassten Debian Sid und läuft rein von USB-Sticks.

Johannes Obermeier

Johannes Obermeier

Johannes Obermeier in Wien hat eine bestehende Ubuntu-Linux-Distribution leicht angepasst, um dem Schulbetrieb gerecht zu werden.

Sowohl Helmuth Peer als auch Rene Schwarzinger erklären gerne die Vorteile ihres eigenen Systems, z.B. auf den österreichischen Linuxwochen.

Wirken sich die Unterschiede der verwendeten Linux-Betriebsysteme spürbar auf den Unterricht aus ? Für mich nicht. Die sehr kurze Zeit der Workshops verging meist mit dem Lösen praktischer Probleme (“Warum ist das Internet so langsam? Wo befindet sich die geschweifte Klammer?”).

Was wirklich zählt

Ich behaupte dass (österreichische) Schüler mit Linux-Systemen in der Schule einen besseren EDV-Unterricht bekommen als Schüler mit anderen Systemen, was aber nur unwesentlich mit Linux selbst zu tun hat. Was wirklich zählt ist der Lehrer (die Lehrerin). Ein Lehrer welcher große Teile seiner Freizeit opfert um Linux in seiner Schule einzusetzen und einzurichten ist per se engagierter als jemand der einfach mit dem arbeitet was er vorfindet. Und dieses Engagement ist es welches einen besseren Unterricht ausmacht.

Das PythonGameBook im Einsatz (BG Weiz)

Das PythonGameBook im Einsatz (BG Weiz)

EDV-Unterricht wird nicht von selbst dadurch besser dass man Linux im Unterricht verwendet. Geschieht das gegen den Willen der Betroffenen (Lehrer), so wird der Unterricht wahrscheinlich schlechter.

Was das Land braucht sind… gute Lehrer.

Helmut Peer

Helmuth Peer beim austesten vom PythonGameBook


Meine Bewunderung gilt den beteiligten Lehrern Helmuth Peer (Weiz), Rene Schwarzinger (Krems) und Johannes Obermeier (Wien). Alle drei haben unzähligen praktischen Widerständen zum trotz ihre Schulen auf Linux/Open-Source umgestellt, unbezahlt Zeit und Energie investiert und Schüler, Eltern und KollegInnen überzeugt. Ich habe persönlich sehen können wie sehr dieses Engagement auf die Schüler und Schülerinnen abfärbt. Es war eine Freude mit den hoch motivierten Schülern zu arbeiten.

Zitate

desktop4education Entwickler und ehemaligen BG/BRG Weiz Schüler Matthias Praunegger:
Den Schülern ist es vollkommen egal, an welchem System sie sitzen. Wichtig ist, dass ihrer Kreativität keine künstlichen Grenzen (Lizenzen…) gesetzt werden. Und egal wo, ob in der Schule, zu Hause, bei Freunden/Verwandten, haben sie dank freier Software prima Werkzeuge, um das “Wunderkasterl Computer” optimal ausnützen zu können..

Blogeintrag (englisch) über teaching with ThePythonGameBook

Meine Schlussfolgerungen für das PythonGameBook habe ich in folgendem Blogeintrag (auf englisch) zusammengefasst:
http://pythongamebook.wordpress.com/2010/07/27/teaching-with-thepythongamebook-in-austrian-schools/

Von Helmut Peer zersägter Tisch mit einebautem PC

BG Weiz: Tisch mit eingebautem PC

"öffentliche" Linux-PC's im Schulgebäude im BG Weiz.

Linux-PC's im Schulgebäude im BG Weiz

Python/Pygame-Workshop im BG Weiz

Python/Pygame-Workshop im BG Weiz

Workshop im BG Weiz ging gegen Mitternacht zu Ende.

Der Python/Pygame Workshop im BG Weiz ging gegen Mitternacht zu Ende


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Über Horst JENS

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