Civilisation in den Unterricht


Habe ein sehr interessantes TED video zum Thema “boys, schools and gaming” von Ali Carr-Chellman gesehen:

Die Sprecherin (USA) führt den mangelnden Schulerfolg von Burschen im Vergleich zu Mädchen auf mehrere Faktoren zurück, unter anderem:

  • Die Zero-Tolerance Politik in amerikanischen Schulen betreffend typische “männlicher” Interessen (Kriegsspielzeug, Computerspiele etc).
  • Die Geringschätzung von für Burschen wichtigen Themen seitens der Schule (“i want to write about games, about a tornado destroying a house. I don’t want to write poems”).
  • Das Fehlen männlicher Lehrer und Role-models, was die Schulen zu einem für Burschen unattraktivem Raum macht.
  • Die fehlende Qualität von “educational computer games”, welche Burschen interessieren könnten.

Über die angesprochene Zero-Tolerance Politik der USA weiß ich zu wenig um mich sinnvoll äußern zu können. In Ihrem Vortrag spricht Ali Carr-Chellmann von Kindergärtnerinnen die von Spielzeugfiguren alle Plastikschwerter und Waffen entfernen – was mit meinem USA-Bild als Land der Waffennarren nicht ganz zusammenpasst – möglicherweise redet Ali Carr-Chellmann von einem eher städtisch geprägten Umfeld, wozu auch die Bermerkung über überkompetative Eltern passt die Ihre Babys schon im Kindergarten auf “above average” drillen.

Sehr gut nachvollziehen kann ich die Geringschätzung von für Burschen wichtigen Themen (Computerspiele).

teachers say: The kids always talk about those games… It’s not fun to be on the receiving end of such comments

civilisation screenshot. source: wikipedia,

Jugendkultur lebt natürlich zu einem gewissen Teil davon sich für etwas zu interessieren wovon ältere Gernerationen keine Ahnung haben.
Die Grundhaltung seitens Erzieher das alles was mit Computerspielen zu tun hat per se irgendwie “pfui” ist, dick & dumm macht, bestenfalls zu Langzeitarbeitslosigkeit führt und schlimmstenfalls zukünftige Amokläufer trainiert ist mir leider sehr vertraut.

Dementsprechend sieht auch die Qualität gängiger “Lernspiele” aus. Ali Carr-Chellman spricht in Ihrem Vortrag davon diese Spiele seien “basically Flash-cards” (=Vokabel-lern-kärtchen). Wer sich in Kaufhäusern umschaut findet lange Regalreihen voller “Lernspiele” zu Themen wie Mathematik, Physik, Biologie etc. Mein Verdacht als Computerspieler: Diese Spiele werden wesentlich öfter verkauft als gespielt. Wer ist die Zielgruppe ? Schüler die ihr Taschengeld für Lernsoftware ausgeben oder sich diese zu Weihnachten wünschen ? Eher nicht. Zielgruppe bleiben damit Eltern, Pädagogen und andere wohlmeinende Geister welche damit auf die Gleichung “Sohn spielt dauernd vorm Computer ” + “Sohn ist schlecht in der Schule” eine käufliche Lösung gefunden haben.

Wie gute “learning games” auschauen sollten ? Eben nicht wie Lehrbücher in einer Computerspieleschachtel, sondern wie Computerspiele die man gerne spielt, weil sie gut gemacht sind.

the fan procect freeciv made an open-source game inspired by the original civilisation game. source: wikipedia

Bestes Beispiel: Die Civilisation – Spieleserie von Sid Meider. Diese Spiele sind so gut dass sie von Fans als Open-Source Projekte nachgebaut wurden (Freeciv, Freecol). “Civilisation” war nie als Lernspiel gedacht sondern als Runden-Strategiespiel für den Computerspieler mit unerfüllter Weltherrschaftsfantasie. Das man beim Spiel (das ins Spiel eingebaute “Civilopedia” – Nachschlagwerk ist übrigens 10 Jahre älter als Wikipedia) jede Menge über Politik, Geschichte und Geographie lernt ist eher ein Nebeneffekt. Weitaus wichtiger: beim Spieler wird das Interesse an diesen Themen erweckt !

Bis jetzt habe ich noch nicht davon gehört dass ein z.B. ein Geschichtslehrer seine Klasse in den Computerraum schickt und eine paar Runden FreeCiv spielen lässt um anschließend darüber zu diskutieren. Die österreichische Standardreaktion wären wahrscheinlich Beschwerden der Eltern über den “faulen” Lehrer der seine Schüler “nur hermumspielen” lässt anstatt ihnen ordentlich etwas vorzupauken.

In diesem Sinne:”Civilisation” in den Unterricht :-)

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Über Horst JENS

teaching open source game programming to kids
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