Grazer Linuxtag 2014 Bericht


Mein Bericht vom Grazer Linuxtag 2014 #glt14:

Linuxtag Graz

Zusammen mit einigen Kollegen von der FSFE Vienna nahm ich den 6 Uhr Früh Zug in Wien Meidling um überpünktlich schon vor 9 Uhr Früh in Graz zu sein (wir hatten ein paar Kisten mit Infostandmaterial zu schleppen). Der Grazer Linuxtag zeigte sich schon in der Früh sehr betriebsam: Freiwillige Helfer verteilten Taschen mit dem “Vorlesungsverzeichnis” und mehrere Infostände waren schon aufgebaut.

Da ich weder einen eigenen Vortrag halten musste noch einen Infotisch zu betreuen hatte und auch kein richtiges Mikrofon für Interviews mitgenommen hatte gönnte ich mir den Luxus mich einfach treiben zu lassen und nahm mir fest vor einige Vorträge (es gab mehrere Tracks parallel) zu besuchen. Schlussendlich schaffte ich es nur sehr wenige Vorträge zur Gänze anzuhören, beim Rest warte ich auf die Youtube Versionen. Den Anfang machte die Keynote von Brigitte Kratzwald zum Thema Free Software – Free Society.

Als Nicht-Technikerin ging es Brigitte Kratzwald um die gesellschaftlichen Auswirkungen freier Software (Kultur) auf Gemeinschaftsprojekte “Commons” wie z.B. gemeinschaftlich organisierter Landwirtschaft. Wenn es am Vortrag überhaupt etwas zu kritisieren gab dann einzig dass er eher schwach anfing (Sätze vorlesen die genau so auf den Beamer-Folien stehen ist einschläfernd, speziell so zeitig am Morgen) aber der Vortrag wurde von Slide zu Slide immer besser, mit mehr Bildern und vielen interessanten Links die ich eifrig mitkritzelte. Den Frühzug zu nehmen hat sich definitiv ausgezahlt für mich, schon alleine wegen der Keynote.

Inzwischen war der Veranstaltungsort (Joanneum Graz, eine Fachhochschule) schon gut besucht und blieb es auch den Großteil des Tages über. Obwohl viele Besucher in den Vortragssälen waren gab es vor den Infotischen meiner Beobachtung nach stets ein angeregtes Gedränge und auf den Mensatischen bzw den Tischen im Hof (praktischerweise fand der gesamte Linuxtag im Erdgeschoss statt) litt man nie unter Einsamkeit.

Als jemand der sich privat und beruflich mit der Programmiersprache Python auseinandersetzt fiel meine Wahl für den 2. Vortrag auf Python. Der Vortrag war eher für Programmierer gedacht die zwar programmieren können, sich aber noch nicht mit Python beschäftigt haben und weniger für komplette Anfänger. Leider ging der Vortragende ein wenig zu sehr ins Detail und beschränkte sich darauf die Funktionsweise bzw. die Features von Python abzuhandeln (wegen der begrenzten Zeit konnte er nur einen kleinen Teil vorstellen) und ging nicht sehr auf die “Schönheit von Python” ein bzw. auf die Gründe warum Python eine attraktive Programmiersprache ist. Nichtsdestotrotz habe ich ein oder zwei Kleinigkeiten gelernt die mir selbst neu waren oder die ich schon wieder vergessen hatte – keinesfalls ein langweiliger Vortrag.

Zumindest großteils mitbekommen haben dürfte ich noch den Lightning Talk über community Förderprogramme haben – es ging um Google Summer of Code und ähnliche Programme aber alle anderen Vorträge hatte ich trotz der interessanten Themen, der weiten Anreise und dem festen Vorsatz Vorträge anzuhören nicht besucht… es gab einfach zu viele interessante Leute zu treffen und zu viele Gespräche zu führen.

Die Kollegen vom Schweizer Hackerfunk Podcast meinten weise dass sie sich erst gar nicht vornehmen Vorträge zu besuchen sondern nur “einfach so” auf Linuxtage fahren… zum netzwerken sozusagen.

weise Ratschläge von den Podcastkollegen vom Schweizer Hackerfunk

Insgesamt gab es im Vergleich zu vorigen Jahren heuer eher mehrere, dafür kürzere Vorträge (Ligthing Talks). Mir gefällt dieses Konzept ganz gut da es dafür sorgt dass am Linuxtag mehr Publikumsbewegung stattfindet und dass die Besucher öfter am Weg von und zu Vortragsräumen bei den Infotischen vorbeigehen. Unter Lightningtalks selbst verstehe ich eigentlich ein anderes Konzept (zumindest wird es auf der Europython Konferenz so gehandhabt: Jeder “dahergelaufene” darf sich auf einem Plakat für einen 5 Minuten Slot eintragen und kann dann genau 5 Minuten lang sein Lieblingsprojekt vorstellen.

Den Rest des Tages führte ich hauptsächlich angeregt Gespräche mit alten und neuen Bekannten. Mehr dazu gibt es ab Dienstag im Biertaucherpodcast Folge 151 zu hören, unter anderem ein Interview mit einem Linuxtag-Organisator.

Am Nachmittag schaffte ich es erstmals in meinem Leben mit einer Okulus Rift 3D Brille ein 3D-Spiel zu spielen – mäßig erfolgreich. Beim ausprobierten “Spiel” musste man von einer Plattform springen und den Fall steuern und durch farbige Ringe fallen um Punkte zu bekommen. Ich schlug meistens unschön auf den Ringen selbst auf. Die Oklulus Rift befindet sich noch in Entwicklung und das “Spiel” war eher eine Tech-Demo. So ganz hat mich das diese 3D-Brille nicht überzeugt, vor allem verstehe ich den Hype darum noch nicht. Möglicherweise muss die Killer-App für die Okulus erst geschrieben werden. Ich kann mir vorstellen dass ein 3D Egoshooter damit Spaß macht und mehr “Immersion” bietet als ein Flachmonitor.

SpieleEcke mit Steam für Linux Spielen und Okulus Rift 3D Brille

Außerdem kaufte ich den wahrscheinlich teuersten Bleistift meines Lebens (60 Euro). Dazugepackt zum Bleistift war die Teilnahme an einer (LPI) Linux Essential Prüfung. Ob ich bestanden habe erfahre ich erst in einigen Wochen (der Papier(!) Prüfungsbogen wird in Kanada ausgewertet oder so). Teilgenommen habe ich eher aus Neugierde und Mitleid (ich war der einzige Prüfungskandidat).

Für den Blogger-Workshop um 17:00 war ich schlicht zu müde obwohl ich gerne teilgenommen hätte. Ich besuchte noch Bekannte in Graz und nahm schließlich den letzten Zug (20:25) nach Wien wo ich kurz vor Mitternacht ankam. Ein langer, aber schöner Tag, nächstes Jahr bin ich wieder dabei !

Linuxtag-Graz Organisatoren

Lizenz des Artikels und der Fotos: cc-by-sa

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Grazer Linuxtag Abreise


Morgen heisst es früh Aufstehen:

Nehme den 6 Uhr Zug nach Graz um so früh wie möglich am Grazer Linuxtag dabei zu sein.

grazer linuxtag.

Bericht folgt später.

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Scratch Clone Spiel


Hier ein kleines Clone-Invaders spiel für Scratch 2.x:

http://scratch.mit.edu/projects/19699922/

cloneinvaders

Ist ein Nebeneffekt meines Besuchs auf den Chemnitzer Linuxtagen: Ich hatte ca. 2 Stunden Zeit um einer großen Gruppe Kinder ( https://www.teckids.org/froglabs.htm ) einen spontanen Scratch Game Programming Workshop zu machen. Die Besonderheit war dass ich nur jeweils sehr kurz die Aufmerksamkeit aller Kinder hatte (ca. 2 bis 3 Minuten am Stück) und mit insgesamt 5 solcher “Ansprachen” durchkommen musste – der Rest der Zeit ging für “Kindern über die Schulter schauen und helfen” drauf.

Im Original gab es das “Dropping” Sprite und die “Pen” Effekte nicht und das Raumschiff konnte sich nur entlang der X-Achse bewegen, doch ansonsten ist war das Spiel im Workshop ähnlich der hier vorgestellten verbesserten Version:

Ein Bösewicht-Sprite fliegt oben hin und her (mit variabler Geschwindigkeit). Der Spieler, steuert ein Raumschiff am unteren Bildschirmrand und muss versuchen das Bösewicht-Sprite abzuschießen. Sowohl Schüsse als auch die bei einem Treffer davonfliegenden Federn (sowie die “Droppings”) sind geklonte Sprites, eine interessante Technik die mit der Version 2.x von Scracht eingeführt wurde.

Die Sprites verwenden “private” Variablen und kommunizieren untereinander über das Broadcast System von Scratch.

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Chemnitz


Bin auf den Chemniter Linuxtagen um OSDomotics und das RIS-Jorunal zu bewerben.
Bericht erfolgt im nächsten Biertaucherpodcast

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about teaching


Folgende Antwort einer Lehrerin auf die Frage “Was hast Du durchs Unterrichten anderer für dich selbst gelernt” auf dem online-Frageportal Quora.com gefällt mir so gut dass ich sie gleich reposten möchte:

http://qr.ae/t2VQr

Übersetzung folgt möglicherweise noch.

Hier das Original:

Over the past decade I’ve taught incarcerated men, UC Berkeley undergrads, and middle-class suburban tots and teens. Here’s a sampling of lessons I’ve learned…

What I’ve learned about learning
People need to feel safe, physically and emotionally, in order to learn.
Creating solid human relationships is more important than creating solid lesson plans.
Lots of smart people are great lecturers but only mediocre teachers. A good teacher will step back and let students actively make connections — both conceptual and interpersonal.
Stories are the ultimate teaching/learning vehicle. If a picture is worth a thousand words, a great story is worth a thousand pictures.
Often it’s better to focus on one idea, have fun with it, and delve deep… than to power through a dozen ideas efficiently.
Size matters. Class size, that is. It’s possibly the most vital factor in the quality of educational experience.
Sometimes the best thing you can do as a teacher is not to dispense information, but rather to repair a student’s shattered self-confidence. Self-confidence is the infrastructure. If you try to build an informational edifice upon broken fragments of self-confidence, you’re setting it up to collapse. First build the infrastructure, and if that’s all you have time to do, you’ve done a wonderful thing. Let the next teacher come along and help the student build the edifice.

What I’ve learned about students
Students are humans first, students second.
Every student has a human need for recognition, even if he/she doesn’t realize or believe it. And everyone deserves the chance to speak and be listened to. If you create that chance for everyone in your classroom, and make it meaningful, for some it may be the highlight of their day… or week… or month… or year.
Every student has the capacity to learn, to grow, and to improve the world around him/her. Even if that student is behind bars. Even if that student seems consistently cranky, frustrated, resistant, depressed, unmotivated. Even if he/she seems stuck in that phase for years. Every student has both the potential to benefit from education and the potential to contribute something unique to the world.

What I’ve learned about myself as a teacher
At this point in life, I’m too passionate about teaching to do it for a large, bureaucratic, profit-driven institution. Even if it purports to have a public service mission. I pour too much into my teaching to handle the cognitive dissonance well. [Subject to change. I'm still growing.]
I have limited faith in the grading system we use in higher education. In principle, I appreciate some of its intended functions; but in practice, I can’t implement it with a clear conscience. My students come from diverse backgrounds: some are less privileged, less prepared than others; some are incredibly smart and motivated but have had terrible schooling experiences. They all have different gifts and character strengths. Our grading system is blind to all that; it judges and ranks them all by one set of metrics, rewarding certain gifts and devaluing others.
I still have much to learn — about education, human nature, and the learning process. Every class of students teaches me new lessons about the world; every year I spend in the world enriches my approach to classrooms. This process is ever-ongoing.
I have a good heart — but I can afford to lighten up, release my death grip on my ideals, and have more fun. Learning should be fun. :)

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RoboChallenge sucht Helfer


folgende Email aus dem Happylab leite ich gerne weiter:

Hallo!

Happylab/INNOC veranstaltet heuer wieder die RobotChallenge, Europas größten Roboter-Wettbewerb. Rund 500 Teilnehmer aus 40 Länder treten in diesem Jahr mit ihren selbstgebauten Robotern in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an und machen die RobotChallenge zu einem Highlight der internationalen Maker Szene. Die RobotChallenge findet am 29. und 30. März 2014 in der Aula der Wissenschaften (Wollzeile 27a, 1010 Wien) statt. Weitere Infos unter: http://www.robotchallenge.org

RobotChallenge 2014 braucht deine Unterstützung!
Bei so einem großen Event fallen natürlich viele Aufgaben an, deshalb brauchen wir deine Hilfe! Wir suchen freiwillige Helferinnen und Helfer, die uns bei folgenden Aufgaben unterstützen: Auf- und Abbau, Infostand, Audio-/Video-Betreuung, Transporte, Schiedsrichter,….

Wenn du uns am 28.03 (Fr), 29.03 (Sa) oder 30.03 (So) unterstützen kannst, trage dich bitte bis spätestens 28. Februar 2014 hier ein: http://goo.gl/zr76Bd

Wir freuen uns auf deine Rückmeldung!

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Fosdem 2014 Brüssel


Mein erstes Mal auf Fosdem (Free Open Source) Konferenz in Brüssel, von der ich schon so viel gehört hatte:

Sa, 1-Feb-2014: Nach einigen Schwierigkeiten mit Hotel- und Flugticketbuchung sowie Verspätung landet mein Flieger im Airport Brüssel. Inzwischen ist es 9:00, die Keynote (Eröffnungsansprache) werde ich mir nicht mehr life anhören können. Zum Glück habe ich schon im Flughafen Wien einige Telefmatiiker vom Grazer Linuxtag getroffen, wir teilen uns ein Taxi direkt zur Universität des Arts Libre, wo die Fosdem stattfindet.

Ich finde gleich den Raum mit dem “how we found 1 million errors in Wikipedia” talk aber bin nicht ganz bei der Sache weil ich einen in Brüssel wohnenden Freund begrüße und letze Hotelbuchungen erledige. Auch vom nachfolgenden Talk “Software Archeology” bekomme ich nicht allzu viel mit.

Dafür gibts kurz darauf Sandwich und mein erstes belgisches Bier (Leffe) meines Lebens in der überfüllten Uni-Cafeteria, wo Teilnehmer aller Nationen für Kaffe, Bier und Sandwiches Schlange stehen.

Auf dem Weg zum Games-Track (es gibt circa ein Dutzend Talks gleichzeigig, aufgeteilt auf mehrere Uni-Gebäude) lerne passiere werde ich schwerst in Versuchung geführt: Die Tische mit Hardware-Firmen sehen alle sehr interessant aus, aber am meisten hat es mir der Tisch von “Pandora” angetan, einer Art open source handheld Gameboy-Linuxcomputer. Für 400 Euro (Messepreis) könnte ich einen haben !

Ich widerstehe schweren Herzens, hauptsächlich weil schon der (noch bessere) Nachfolger angekündigt ist.

Da der Games Track mit einem “We are full” Schild gekennzeichnet ist setze ich mich ein wenig in den Wikipedia-Vortrag. Die Räume sind durchgehend überfüllt, die Luft ist schlecht, man wird schnell müde. Zurück beim Games Track hat sich für den nächsten Vortrag eine lange Schlange gebildet, und ein Organisator passt auf dass nur so viele Leute in den Sall hineinkommen wie ihn verlassen. Ich ergattere glücklich einen Sitzplatz und höre die für mich interessantesten beiden Talks der Fosdem: Drama Engine (evolutionäre Algorithmen um Hintergrundgeschichten für NPC’s zu erstellen) und ein wissenschaftliches Spiel über sich genetische Verändernde Bakterien.

Obwohl ich brennend interessiert bin spielt mein Körper nicht mehr mit: Müdigkeit, Sauerstoffmangel (und Bier?) fordern ihren Tribut und ich verlasse unglücklich den Saal. Warum sind die (für mich) interessanten Talks immer in viel zu kleinen Säälen ? Beim hinausgehen passiere ich eine sehr sehr lange Schlange von hoffnungsvoll auf Einlass Wartenenden.

Glücklicherweise wird jeder Vortrag auf Video aufgezeichnet und ist nach der Konferenz bequem per Internet konsumierbar (bei so vielen gleichzeitig stattfindenen interessanten Talks eine Notwendigkeit). Es stellt sich natürlich die Frage warum ich Zeit und Kosten aufwende um zu einer Konferenz zu fahren, wenn ich mir die Vorträge dort eh zu Hause auf Video anschaue….

Die Antwort ist: wegen der persönlichen Kontakte. Auch Nerds sind soziale Wesen und leben von Interaktion mit anderen. Die interessanten Talks sind der offizielle Vorwand auf eine derartige Konferenz zu fahren (siehe meine Berichte über Chemnitzer Linuxtag) aber wesentlich mehr Spaß machen mir eigentlich die vielen Infotische der Open-Source Projekte und -Firmen.

Ich erhole mich ein wenig von überfüllten Hörsäälen indem ich die Infotische im Hauptgebäude besuche (erst am nächsten Tag komme ich drauf dass es noch mehr Infotische im 1. Stock gibt) und lasse mir von einer Google Dame den Unterschied zwischen Google Summer of Code (Studenten werden für die Arbeit an Open Source Projekten bezahlt) und Google Code in (Schüler bekommen für die Arbeit an Open Source Projekten Sachpreise) erklären.

Beim FSFE Stand, dem heimlichen Treffpunkt vieler angereister Österreicher, spreche ich mit Josefson (?) der eine Usergropu für EU-Parlamentarier gestartet hat. Decision-Maker, die wissen worüber sie abstimmen ! Der gute Mann gehört unterstützt, ich verspreche ihm einen Artikel zu schreiben. Bis es soweit ist: Bitte fordern Sie die EU-Abgeordneten ihrer Lieblingspartei (aber vor allem die Ihres Heimatlandes) auf freie Software selbst zu benutzen (von fast allen Parteien gibt es dazu wolkige Erklärungen) und sich Jonassons Usergroup anzuschließen !

Ich checke nach längerer Straßenbahnfahr in mein Hotel ein und besuche am Abend eine Bar wo sich mehrere FSFE-Leute verabredet haben. Im Lokal sitzt neben mir ein schweigsamer Holländer, der ein Asperger Syndrom hat, nach eigenen Angaben aber kein Computergenie ist.

Ich plaudere mit Lycille (FSFE-Intern) über Empowerment von Jugendlichen und mit Sebastien (beide aus Frankreich) über die fehlenden Source Code bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Nach einem Blick auf die Restaurantrechnung bin ich schlagartig nüchtern und verziehe mich ins Hotel. Brüssel ist (zumindest in den Touristenlokalen) doch spürbar teurer als Wien. Nichtsdestotroz ein schöner Abend, ich beschließe bereits ab jetzt regelmäßig zur Fosdem zu fahren.

A propos fahren: Im Gegensatz zu Wien mit seinem “offenen” Zugangsystem zu öffentlichen Verkehrsmitteln (keine Bezahlschranken, nur ein Fahrscheinentwerter) hat Brüssel in den Metro Stationen (wie so viele andere Städte auch) ein striktes Zugangskontrollsystem mit Schleusen. sowohl beim betreten als auch beim verlassen einer Station muss man durch eine derartige Schleuse, deren Türen sich nur durch vorweisen eines gültigen Fahrscheins öffnen. Ich wage mir nicht auszudenken was passiert wenn man in einer Schleuse seinen Fahrschein verliert oder dieser sonstwie ungültig ist: Wahrscheinlich gehen Warnsirenen an und man wird zwischen den Schleusentüren eingesperrt bis Sicherheitskräfte einen abholen (wenn das 4 Leuten gleichzeig passiert ist die ganze U-Bahn Station lahmgelegt, aber möglicherweise gibt es eine Not-Ausgangs-Funktion für Situationen wie Brände).
Mir fällt auf dass dieses System der Schleusen, Mauern, Passagier-Leitsysteme und anderer Archtiektonischer Gängelungs-systeme und Misstrauensbeweise eine Art Stein gewordene Version eines DRM (Digital Right Managements ist). Das genaue Gegenteil von Open Access – Ein Restriktionssystem, (ist man versehentlich in die falsche U-Bahn Linie gestiegen muss man teils mehrere Schleusen passieren um wieder zurück zu kommen) umständlich, unfreundliche und Angst-gesteuert:

Die Angst davor, dass ein paar Schwarzfahrer da System ohne zu zahlen benutzen überwiegt offenbar jeden Gedanken daran dass System so attraktiv wie möglich zu gestalten, um Autoverkehr zu verringern. Nichtdestotrotz gibt es auch vorbildliche Bemühungen: Statt nerviger Stationsdurchsagen wird über die Lautsprecher in den Stionen Musik gespielt, jeder Fahrscheinautomat akzeptiert Bankomartkarten sowie Münzen und ist meit einem Dreh-Drück Knopf relativ einfach zu bedienen.

Am Sonntag – nach einem Hotelfrühstück am Gemeinschaftstisch – begebe ich mich mit deutlich weniger Ballast zur Fosdem Konferenz: Der Laptop sowie Reisegepäck bleibt im Hotel, ich bin lediglich mit Smartphone (zum Fotografieren) und Mikrophon (für Interviews) sowie Visitenkarten und Namensschildchen (beides ganz wichtig) ausgerüstet. I

Rechtzeitig angekommen um eine Vielzahl interessanter Talks anzuhören kann ich mich nicht recht entscheiden wo ich hin will und mache daher den Hardware-Ausstellertischen schöne Augen. Der freundliche langhaarige Hippie beim Pandorastand nimmt sich viel Zeit mir über die Pandora zu erzählen (“eine haben wir noch übrig, magst du kaufen?”) und ich schaffe es ein langes Interview mit dem (ebenfalls langhaarigem) Pandora Geschäftsführer zu machen.

Ich beschließe mich aufs Netzwerken und reden zu konzentrieren und nicht meine Zeit mit Schlange stehen vor Talks zu verbraten. Konsequenterweise ist der einzige Talk den ich besuche (the new Python Software Foundation) hochinteressant und wie genau auf mich zugeschnitten ( die Python Software Foundation hat zu viel Geld, zu wenig Mitglieder und möchte sich um den Education Bereich kümmern) aber im überfüllten, stickigem Hörsaal halte ich es nur genau einen Talk lang aus, danach flüchte ich.

Beim Gnome Infotisch bekomme ich 2 T-Shirts für 5 Euro Spende und beim Hardware Tische komme ich eher zufällig mit Dimi vom Wikipedia Infotisch ins plaudern, wodurch sich gleich ein Interview ergibt: Dimi arbeitet mittlerweile als Wikpedia Lobbyst in Brüssel und erklärt mir wie wichtig es ist bei drohenden von Konzerninteressen gesteuerten Gesetztesvorschlägen (Acta, Urheberrechtsnovelle etc) Druck auf die EU-Abgeordneten zu machen und ständig anzurufen.

Im Gegensatz zum bloßen Unterzeichnen von Petitionen (avaaz.org etc) haben massive, ständige Anrufe besorgter bzw wütender Bürger bei “ihren” EU Abgeordneten eine große Wirkung, auch wenn der einzelne Anrufer mit einer nichtssagenden Phrase abgewimmelt wird: Die Mitarbeiter der EU-Abgeordneten werden effektiv am Arbeiten gehindert und die EU-Abgeordneten merken dass ein Thema welches sie sonst ungestört durchwinken können das heimische Stimmvieh (pardon: den Souverän) erregt, was nicht ohne Wirkung bleibt. Meine Frage, ob (die finanziell und organisatorisch sehr gut ausgestatteten) Lobbyfirmen großer Konzerne dieses Politinstrument (Anrufe besorgter Bürger) nicht “faken” oder missbrauchen können verneint Dimi: Es geht um die Masse der Anrufer, und wenn ein Lobbybüro Hilfskräfte zum telfonieren anheuern würde die so tun als wären sie viele besorgte Bürger würde dies laut Dimis angaben sehr schnell auffliegen und großen Schaden für die Lobbyfirma verursachen.

Laut Dimi ist anrufen bei Abgeordneten (und Freunde und Bekannte dazu aufzuforden dies ebenfalls zu tun) eines der wirkungsvollsten Mittel welche der “kleine” Bürger derzeit hat um den “großen” Konzerninteressen entgegenzuwirken.

Während dem Wikipedia Interview mit Dimi fällt mir ein Mann mit eindrucksvollem Mikrophon und Kopfhörern auf sowie einem “Hacker Radio” Schild:

kurze Zeit später bin ich in ein Gepräch über das Hacker Radio Projekt mit ihm vertieft. Im Gegensatz zum Namen geht es um eine Podcast-Seite, welche (englischsprachige) Podcasts sammelt und vor kurzem von der cc-by-nc auf die cc-by-sa Lizenz umgestellt hat. Wir reden über die Vernetzungs- und Verlinkungsmöglichkeiten deutschsprachiger Podcasts.

Er bringt mich auf die Idee, einen (kurzen) englischsprachigen Podcast zu verfassen in dem ich auf meinen ausführlichen deutschsprachigen Podcast ( biertaucher.at ) verweisen soll.

Es gäbe sehr viele englischsprachige Podcasts von nicht-englisch-native-speakern, und viele Amerikaner (speziell solche die Srpachen lernen oder üben wollen) interessieren sich für nicht-englische Podcasts.

Außerdem reden wir über das Transkribieren (niederschreiben) von Podcasts: Wie bei fast allen freiwilligen-Projekten fehlt dazu oft die Manpower, und jede Hilfe ist willkommen. Was Hackerradio anbietet ist Hilfe beim Proofreading (wenn jemand nicht sicher ist ob sein englisches Skript fehlerfrei genug ist) sowie Narrators: Leute die ein Skript vorlesen, z.B. weil der Autor aufgrund einer Behinderung nicht selbst sprechen kann.

Ich verspreche dem Hackerradio-Mann mich bei befreundeten EnglischlehrerInnen dafür einzusetzen als Übersetzungungshausübung eine Hackerradio-Sendung auf die Schüler zum Transkribieren aufzuteilen, und er ist hocherfreut über den Vorschlag.

Jetzt muss ich nur noch EnglsichlehrerInnen kennen lernen und mich mit Ihnen befreunden, kann ja nicht so schwer sein.

Ich mache noch das letzte Interview des Tages (FSFE). Die Schluss Keynote (NSA) werde ich mir im Internet anschauen, ich wandere todmüde ins Hotel zurück, um ein wenig Eindrücke vom Brüsseler Street-Life zu bekommen und unschuldige Passanten mit meinem Schul-Französisch zu irritieren.

Erkenntnisse:
Eine Fensterputzerin im ersten Stock hat herzlich gelacht als ich ihr “nicht runterfallen” zugerufen habe

Eine Portion “Frites” kostet im Uni-Gelände 4 Euro, beim türkischen Kebab-Grill 2 Euro

Man bekommt in Brüssel Frites Bolognese (Pommes mit Fleischsoße).

Die Carrefour-Supermärkte haben auch Sonntags geöffnet, ebenso kleine Zeitschriftenläden und Bäckereien.

“Quatre-vingt” (4 x 20, also 80) heisst nicht umbedingt 80, sondern auch 4 (Euro) 20 (cent)

Autos in Brüssel haben rote Nummernschilder

Field Marschal Montgomery hat eine eigene Satue sowie U-Bahn-Station

Es ist nicht so besonders schlau in der Früh ein Hin-und Retour Ubahnticket (4 Euro anstatt 2 x 2,10 Euro) zu kaufen und dann den ganzen Rückweg zu Fuß zu laufen.

Fotos: http://www.flickr.com/photos/horstjens/sets/72157640436423455/

Podcast mit Bericht über Fosdem: http://spielend-programmieren.at/doku.php/de:podcast:biertaucher:2014:142

Lizenz (Fotos und Text): cc-by-sa

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