Krems, Berlin, homing rockets


lauter gute Neuigkeiten:

Krems

Am Freitag fahre ich zum 2. Mal zu Rene Schwarzinger, einem der Köpfe hinter Linux Advanced, nach Krems und unterrichte seine Schüler mit meinem ThePythonGameBook. Letzte Woche bekamen seine Schüler von mir einen 4-stündigen Crash-Kurs in Python-Programmierung, für Freitag ist eine Einführung in Python/Pygame geplant. Ich bin schon gespannt ob in der kurzen Zeit ein paar Beispiele entstehen werden und wie die ca. 13-jährigen Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu den großteils Erwachsenen Teilnehmern meiner Bupp-Schulung abschneiden werden (siehe englischer Blogbeitrag).

Rene Schwarzinger (stehend) mit Schülern des BG rechte Kremszeile

Linuxtag Berlin

Am Samstag werde ich den Berliner Linuxtag besuchen, wahrscheinlich zusammen mit 2 Kursteilnehmern meiner Programmierkurse. Falls möglich werde ich einen Lightning-Talk (5 Minuten) zum Thema ThePythonGameBook halten aber hauptsächlich habe ich vor die vielen Vorträge und Messestände anzuschauen und ein paar Interviews zu machen.
Netterweise habe ich dank dem Linuxmagazin ein Eintrittskarte für den Linuxtag Berlin gewonnen.

homing rockets

Beispiel aus ThePythonGameBook, part2, pygame, step019


Das neuste Bei-Spiel im ThePythonGameBook dreht sich im wörtlichen Sinn um Raketen… Raketen die einem beweglichen Ziel korrekt nachfliegen. Das Beispiel kommt ohne eigene Vektorklasse aus und bietet sich drehende, zielsuchende Raketen, Monster, Schüsse und eine echte Physik-engine (elastischer Stoß) von Mag. Leo Michlmayr. Das Spiel fängt an mit einem kooperativen 2-Spieler Modus (beide Spieler gegen ein Monster) der in einen Player-vs-Player Modus übergeht sobald kein Monster mehr am Bildschirm ist. (Neue Monster können jederzeit erzeugt werden durch Tastendruck). Falls ein Spieler vom Monster abgeschossen wird wechselt das Spiel in den Ein-Spieler vs. Monster Modus und der überlebende Spieler muss alleine die verbliebenen Monster bekämpfen.

Der 2-Spieler Modus ist unter Einsatz beider Hände gleichzeit auch alleine spielbar, was aber ganz schön fordernd ist. Zur Entspannung gibt es einen optionalen 0-Spieler Modus wo die (vom Spieler erzeugten) Monster sich gegenseitig abschießen und man nur zuschauen muss.

Dazu gibt’s natürlich eine schematische Darstellung der Vererbung und Klassen im Beispiel:

classchart from ThePythonGameBook.com , part2, pygame, step019

Nachlese

Der Linuxtag Krems ist zwar schon ein paar Wochen her, doch etwas sehr nettes hat sich seither ereignet: Herr Thorsten Schmidt von der Redaktion des freien Magazins war so nett mein Video-Interview mit Rene Schwarzinger niederzuschreiben. Das vereinfacht mir sehr das Erstellen von Untertiteln für das Videointerview. Vorerst beide Videos und die Abschriften getrennt:

Horst Jens: Rene, Hallo! 
Rene Schwarzinger: Servus!

Horst Jens:  Du bist einer der Hirne hinter Linux Advanced - habe ich
das richtig verstanden?
Rene Schwarzinger: Ja, zusammen mit Klaus Misof. Genau.

Horst Jens: Linux Advanced - das ist Linux auf einem USB-Stick, und
den verteilt ihr an Zehnjährige, ist das richtig?
* Rene Schwarzinger: Ja, es ist natürlich so, dass der USB-Stick schon
im Eigentum der Schule ist. D.h. sie kaufen das selber an. * ein
Schüler keinen USB-Stick gehabt hätte. Die Schüler bekommen zu
Schulbeginn im Informatikunterricht den USB-Stick bespielt mit Linux
Advanced in der aktuellen Version und können dann den Stick in der
Schule oder aber auch zuhause einsetzen. Das ist ein wichter Punkt.

Hort Jens: Und das ist ein 4-Gigabyte-Stick?
Rene Schwarzinger: Sie brauchen mindestens jetzt einen
4-Gigabyte-Stick, können genauso einen einen größeren nehmen,
entsprechend ist dann auch mehr Platz für die persönlichen Daten zur
Verfügung, die sie auch unter Windows oder Mac OS abrufen können.
Jeder USB-Stick hat eine Datenaustauschpartition, die unter allen
Betriebssytemen sichtbar ist.

Horst Jens: Eine FAT-32?
* Rene Schwarzinger: Ja, das ist eine FAT-32-Austauschpartion. Genau.
Von daher ist es auch nicht so, dass die Schüler mit dem
(Linux-Advanced) arbeiten müssen. Also in  der Oberstufe arbeiten
noch mehr zuhause wahrscheinlich mit Windows, in der Unterstufe
arbeiten sehr viele Kinder wirklich schon begeistert mit dem Stick -
auch zuhause. Cirka 90 Prozent *   Und es reicht auch genauso
OpenOffice zuhause zu installieren unter Windows. Und selbst wenn sie 
mit Microsoft-Produkten zuhause arbeiten, ist das eigentlich auch kein Problem.
Im Endeffekt wollen wir aber weg wollten von Produktschulungen hin zu einem
Unterricht mit dem Thema Textverarbeitung unter offenen Programmen.

Horst Jens: Und die Sticks werden bei euch im Informatikunterricht
eingesetzt, d.h. die Schüler nehmen ihren Stick mit, stecken den in
den Computer im EDV-Raum rein und fahren damit ihr persönliches Linux
hoch.
 * Rene Schwarzinger:  Genau. Die Schüler müssen sich * das ist im
Prinzip ein Unterrichtsmaterial wie jedes andere - wie Füllfeder oder
Heft - und es ist so, dass auf den Rechnern noch nicht einmal etwas
installiert sein muss. Heißt: Die Rechner für den Unterricht sind leer
und bleiben es auch. Dementsprechnend kann man schon ahnen, dass
natürlich dies natürlich wesentlich weniger Wartungsaufwand bedeutet.

Hort Jens: Was passiert mit dem vielen Geld, dass ihr jetzt durch
fehlende Lizenzkosten einspart - bekommst du das?
Rene Schwarzinger: Nein, das viele Geld, das wir einsparen könnten,
gibt es in dem Sinne nicht. Das ist so: Man muss unterscheiden
zwischen einer Bundesschule, da hat der Bund noch Generallizenzen, und
bei den Hauptschulen im Pflichtschulbereich ist es so, dass die
Gemeinden als Schulhalter fungieren. Die könnten wirklich viel und
rasch einsparen.

Hort Jens: Aber ihr als Bundesgymnasium nicht?
 * Rene Schwarzinger: Wir sparen im Moment noch recht wenig. Es hat eine
Ausnahme gegeben. Und zwar seit vorigem Jahr sollen Schulen, die 
Openoffice statt Microsoft-Office benutzen, pro angemeldete Lizenz
begünstigt werden durch ein bestimmten Geldbetrag. Dabei waren 
so 10 Euro im Gespräch pro angemeldete Lizenz - im ersten Jahr 
noch ein bisschen mehr. Dies ist auch der erste Weg hin zu einem
Versuch, von einer Abhängigkeit wegzukommen * 
 
Hort Jens: Da ihr jetzt praktisch leere Rechner habt, ohne
Betriebssystemlizenzen - bekommt ihr vom Ministerium keine Vergütung, d.h. das
Ministerium weiß wahrscheinlich noch nicht einmal, was das ist?
Rene Schwarzinger: Ja, wissen tun sie es schon, Unwissenheit würde ich
denen jetzt nicht unterstellen. Es ist halt viel Lobbying und solche
Sachen, die manche Sachen einfach verlangsamen, was positive
Entwicklungen wären. Aber es geht durchaus dort und da in die richtige
Richtung.

Horst Jens: Kannst du mir von den Kindern erzählen, wann die zum
ersten Mal mit dem Stick arbeiten? Die kommen ja bei euch in die
Klasse als Zehnjährige im Gymnasium - ihr bringt denen zuerst einmal
das Tippen bei - Zehnfngersystem?
* Rene Schwarzinger: Grundsätzlicherweise erklären wir den Schülern in
den ersten Unterrichtseinheiten, wie sie mit dem USB-Stick umgehen
müssen - vor allen Dingen in der Schule, Zuhause auch noch einmal *
Wie die Schüler das BIOS zuhause umstellen, falls ihr Rechner nicht
automatisch von einem USB-Stick bootet.*  

Hort Jens: Das heißt: Ihr bringt Zehnjährigen bei, wie man das BIOS
umstellt, um Linux zu booten?
Rene Schwarzinger: Ja, genau. Man zeigt denen das einmal im
Informatiksaal. Wir haben eine auch eine kurze Wiki-Doku verfasst mit
Bildschirmfotos und das lernen die Kinder sehr schnell.

Horst Jens: Ist das die, die in ubuntuusers.de auch so gelobt worden
ist, in dem Linuxmagazin. 
 * Rene Schwarzinger: Ja, in dem Linuxmagazin von Deutschland. Von
daher...  Also die Handhabung mit dem USB-Stick bringen wir den
Schülern bei, genauso wie das Abspeichern von Daten ganz zu Beginn.
Und dann haben wir ein Konzept, das in acht * Grundeinheiten umrissen
ist, und dass das 10-Fingersystem vermittelt über multisensorisches
Lernen, über Geschichten, über Hörübungen, über Bilder und Farben -
und da lernen alle Kinder in 8 Stunden alle Buchstaben der Tastatur.

Horst Jens: Nach acht Stunden, das entspricht acht Wochen?
Rene Schwarzinger: Oder es ist in Doppelstunden geblockt.

Horst Jens: Der Zehnjährige kann also nach zwei Monaten ausreichend das
10-Fingertippen?
 * Rene Schwarzinger: Ja, er braucht natürlich noch die Übung - das ist
klar. Deshalb erstreckt sich im ersten Semester noch eine Spanne, in
der immer wieder Übungssequenzen einbezogen werden. Aber wir fangen
wirklich schon  nach zwei Monaten an, einfache Textverarbeitung -
Zeichenformatierung, Absatzformatierung und nicht einfach nur stur * 

Horst Jens: Also ihr habt keine 14-Jährigen  mehr, die das
scharfe S oder den Backslash nicht finden?
Rene Schwarzinger: Nein, nein...
----------- Teil 2 ----------

 * Horst Jens: Rene, die Kinder, die Zehnjährigen Unterstufler können
jetzt nach Tippen nach zwei cirka zwei Monaten? Du sagst, sie * den
USB-Stick und machen damit dieselbe Programme, die sie in der Schule
haben. Was sind eine Erfahrungen, was mache sie gerne?  Es sind ja
haufenweise Anwendungen drauf auf dem LinuxAdvanced-Stick. Womit
beschäftigen sich die Kinder gerne - abgesehen von den Hausaufgaben?
 * Rene Schwarzinger: Ich sag' einmal, in der ersten Klasse ist es zu
Beginn nicht so, dass sie überall anfangen alles auszuprobieren,
sondern da müssenn sie sich erst einmal in das Ganze einfinden, einen
Rhythmus bekommen. Ab der zweiten Klasse ist das dann * das man da ein
bisschen schaut, was gibt's denn da für Programme, wie funktioniert
das. Es sind dann vielleicht nicht irgendwelche "Killerapplikationen",
auf die die Schüler dann abfahren. Sondern es ist einfach das Konzept
dahinter, dass wir den Schülern einen Freiraum ermöglichen, sage ich
mal, wirklich mit ihren USB-Sticks, der ihnen gehört, auch vieles
ausprobieren zu dürfen. Sie können ihn umstellen, verstellen, sag' ich
mal, und wenn er denn  mal wirklich nicht funktioniert, dann kann
man ihn in 10 Minuten wieder herstellen.

Horst Jens: Können die sie auch selber dazu Applikationen dazu
installieren über Synaptic?
Rene Schwarzinger: Ja, Es ist so gedacht - grundsätzlicherweise und mit
einem pädagogischen Hintergedanken -  dass, wenn ein Schüler Änderungen
durchführt an den Programmen und er startet das nächste Mal wieder,
dann sind die nicht da. Die Arbeitsumgebung bleibt also gleich.

Horst Jens: Es ist nicht persistent?
Rene Schwarzinger: Nicht-persistent, aber wir haben ein Tool
hinzugefügt, das heißt LS-Snapshot, mit dem man auch solche Sachen, Änderungen machen,
dauerhaft abspeichern kann. Aber nur bei Bedarf. Es muss wirklich
aktiv angelegt und abgewählt werden.

Horst Jens: Das heißt, wenn er sich "verinstalliert" und ihr macht
einfach nichts, gibts nach dem nächsten Booten wieder das normale
System.
Rene Schwarzinger: Ja. Er kann ausprobieren, ausprobieren,
ausprobieren. Und im Regelfall kann er das System nicht so verändern,
dass es nach ein paar Versuchen nicht mehr gescheit läuft. Wir haben
daher kreative Möglichkeiten, und dadurch lernen sie auch mit der
Informatik umzugehen. Das klappt auch natürlich. Und es sind weniger
die Keyapplikationen, sondern es ist wirklich die Möglichkeit, etwas
zu machen. Und deswegen ist es so, dass ein paar sehr Interessierte
dabei sind, die sich selbstständig schon ab der dritten
Klasse verschiedene Betriebssysteme installieren - ob Ubuntu, Fedora
oder LinuxAdvanced.

Horst Jens: Auf Ihrem Heim-PC?
Rene Schwarzinger: Ja oder Netbook oder Heim-PC. Das sind einfach
Fähigkeiten, die dadurch entstehen.

*  Horst Jens: Das heißt, er kann kann mit 13 Jahren Linux
installieren? * 
*  Rene Schwarzinger: Definitiv. * Diese Fähigkeiten werden auch dadurch
gefördert, weil sie auf dem USB-Stick mehr Freiraum haben, als zum
Beispiel auf einem installierten Windows- oder auch Linuxsystem, bei
dem ich alles sperre und verbiete. Das ist von der Philosophie etwas
anderes, bei der auch etwas dürfen, sag' ich mal, und bei der man
weniger verbietet.

Horst Jens: Und hat er jetzt, wenn er Internetzugang hat, und den
LinuxAdvanced-Stick eingesetzt hat, hat er vollen Zugriff auf alle
Debian-Repos? Kann er Synaptic aufrufen und kann er alles
installieren? Das heißt, er könnte theoretisch jetzt die "Games"
entdecken und 2000 Games installieren?  
Rene Schwarzinger: Ja. Manche Lehrer denken jetzt wahrscheinlich "Oh,
Spiele - gefährlich". Wir haben die standardmäßig nicht dabei. Aber
erst vorherige Woche im Informatikunterricht in der dritten Klasse
mit 13 Jährigen habe ich das Kapitel "Software" abgeschlossen. Dort
habe ich gezeigt, wie man Synaptic und die GNOME-Games installiert,
wir haben die Sachen mit LS-Snapshot dauerhaft auf dem System
installiert. Wenn es mich im Unterricht stört, dann habe ich andere
Mechanismen, wie ich das auch wieder unterbinden kann, dass sie im
Unterricht spielen. Da gibt es zum Beispiel das neue
LS-Teaching-System - aber das ist eine andere Geschichte. Da habe ich
als Lehrer die Werkzeuge, um das zu verhindern. Aber ich bin froh,
dass die Schüler das einfach dürfen.

Horst Jens: Super. Ich muss sagen, ich bin begeistert. 

Über Horst JENS

teaching open source game programming to kids
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